Empfehlungen zum Verhalten bei Hitze für Zivilpersonen und Einsatzkräfte

Foto: Blaulichtreport Elbe-Elster (KI-generiert)

Deutschland/ Landkreis Elbe-Elster. Die aktuelle Hitzewelle hat Deutschland und seine europäischen Nachbarstaaten fest im Griff und bringt spürbare Einschränkungen für Menschen, Tiere und auch für technische Anlagen. Am kommenden Wochenende soll es örtlich bis zu 40°C warm werden. Diesen Anlass nehmen wir auf, um Ihnen die wichtigsten Tipps zum Umgang mit der Witterung zu geben, damit Sie diese Tage möglichst unbeschadet überstehen.

Dabei ist der erste Teil an alle zivilen Personen im ganz normalen Alltagsleben gerichtet, den zweiten Teil unseres Artikels widmen wir den Einsatzkräften, welche trotz der aktuellen Temperatur zu ihren Einsätzen ausrücken müssen, um Menschen zu helfen und Gefahren abzuwehren.

Verhalten bei Hitze für Zivilpersonen

Bei den hier widergegebenen Hinweisen orientieren wir uns an den Empfehlungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

Was Sie im Vorfeld einer Hitzewelle tun können:

– Stocken Sie ihren Getränkevorrat mit ausreichend alkohol- und koffeinfreien Getränken auf. Dies können unter Anderem Mineralwasser, verdünnte Säfte, Fruchtsaftschorlen (idealerweise selbstgemischt, um unnötigen Zucker zu vermeiden) oder aber auch abgekühlte Kräuter- oder Früchtetees sein.

Wichtig: Lauwarme bis kühle Getränke sind bedeutend verträglicher für Körper und Kreislauf anstatt eiskalter Getränke!

– Bereiten Sie ihr Haus oder ihre Wohnung möglichst auf die heißen Tage vor. Lüften Sie in den kühleren Morgenstunden. Schließen Sie Rollläden und Fenster, um die Sonne „auszusperren“. Ggf. können Sie auch Balkon oder Terrasse verschatten.

– Sofern Sie auf Medikamente angewiesen sind, sprechen Sie mit ihrem Arzt oder Ärztin. Möglicherweise kann es sinnvoll sein die Dosierung anzupassen.

Wenn die Hitze da ist:

– Trinken, trinken und nochmals trinken! 1,5L mindestens, besser wären 2L Getränke (siehe im obigen Abschnitt) am Tag. Eventuell helfen hierbei kleine Erinnerungen (volle Trinkgläser in greifbarer Nähe, Trinkplan, Trinkflaschen mit aufgedruckter Skala, …).

– Verlegen Sie, wenn möglich, körperlich anstrengende Arbeiten in die kühleren Morgenstunden.

– Tragen Sie möglichst weite, luftige und helle Kleidung. Im Freien ist eine Kopfbedeckung sehr ratsam.

– Wenn sich der Aufenthalt in der Sonne nicht vermeiden lässt (oder sogar gewünscht ist), nutzen Sie Sonnenschutzmittel (mindestens Lichtschutzfaktor 30). Ihre Haut dankt es Ihnen!

– Bevorzugen Sie leichte Gerichte (Gemüse, Salate, wasserreiches Obst, …). Vermeiden Sie dagegen schwer verdauliche und fettreiche Gerichte. Diese belasten den Körper noch zusätzlich.

– Um den Körper abzukühlen nutzen Sie lauwarme Duschen oder Fußbäder. Auch das befeuchten der Unterarme kann einen ähnlichen Effekt auslösen.

Kalte Duschen haben einen gegenteiligen Effekt und erschweren dem Körper die Wärmeabgabe.

– Nutzen Sie Klimaanlagen, sofern vorhanden, mit Bedacht! Große Temperaturwechsel zwischen drinnen und draußen belasten den Kreislauf extrem und können negative Effekte auslösen.

– Schlafen Sie nachts nur in leichter Bekleidung. Nutzen Sie auch leichte Bettwäsche (bsp. Bettlaken).

WICHTIG: Lassen Sie niemals, auch nicht am frühen Vormittag oder kurz vor Sonnenuntergang, Menschen oder Tiere in einem Kraftfahrzeug (zB Pkw, Lkw, …) zurück. Die Temperaturen in abgestellten Fahrzeugen steigen rasant an, weit über das Niveau der Außentemperatur. Binnen weniger Minuten besteht Lebensgefahr!

Finden Sie doch eine so beschriebene Lage vor, zögern Sie nicht den Notruf über die 112 zu verständigen!

– Achten Sie auf Nachbarn, Verwandte, Freunde und Kollegen: Unterstützen Sie sich gegenseitig. Sollten Sie eine Person feststellen, deren Verhalten abnormal bis abwesend wirkt, deren Kopf vielleicht stark gerötet, deren Körpertemperatur stark erhöht ist oder bei der die Schweißproduktion plötzlich aufgehört hat, so zögern Sie nicht den Notruf über die 112 zu verständigen! Dies können Anzeichen für einen drohenden Notfall sein, welche unter Umständen zum Kreislaufkollaps führen kann.

Verhalten bei Hitze für Einsatzkräfte

Bei den hier widergegebenen Hinweisen orientieren wir uns an den Empfehlungen des Deutschen Feuerwehrverbandes und der gemeinnützigen Organisation @fire.

– Trinken, trinken und nochmals trinken! 1,5L mindestens, besser wären 2L Getränke (idealerweise alkohol- und koffeinfrei) am Tag. Keine Einsatzkraft kann helfen, wenn der eigene Kreislauf nicht ausreichend leistungsfähig ist. Deshalb gilt: vor, während und nach dem Einsatz regelmäßig Flüssigkeit zuführen.

– Bei Einsätzen in der Vegetationsbrandbekämpfung oder anderen körperlich schweren Tätigkeiten wird 1L Flüssigkeit je Stunde je Einsatzkraft empfohlen! Diese Menge sollte nicht auf einen Schlag zugeführt werden, sondern kontinuierlich. Somit empfiehlt es sich auch, dass jede Einsatzkraft einen persönlichen Trinkwasservorrat im Einsatz mitführt (bspw. in einer Feldflasche).

– Die Persönliche Schutzkleidung sollte an Alarmstichwort und Witterung angepasst werden. „Die Verwendung von mehrlagiger Feuerschutzkleidung nach DIN EN 469 (z.B. HuPF- Überbekleidung) ist bei warmer Witterung eine sehr große Belastung für den Träger“[1] und somit für den Einsatz bei Vegetationsbränden nicht zu empfehlen! Sofern keine einlagige Schutzkleidung speziell für diesen Einsatzfall zur Verfügung steht, kann die zweilagige Schutzkleidung, wie sie für die Technische Hilfeleistung Verwendung findet, einen guten Kompromiss zwischen Schutzwirkung (auch bei Funkenflug oder gar kurzzeitigem Flammenkontakt) und dem Tragekomfort bieten.

Bei Löscharbeiten nahe des Feuersaumes sollen die Einsatzkräfte mit einer Flammschutzhaube ausgestattet werden, um offenen Hautpartien im Gesichts- und Halsbereich zu bedecken. Ebenso ist grundsätzlich in der Vegetationsbrandbekämpfung auf den Augenschutz zu achten. Hierbei sind abdichtende Schutzbrillen die beste Wahl gegen beißenden Rauch, Ruß- und Funkenflug.

„Das vorsätzliche Benässen von Schutzkleidung ist aufgrund eines möglichen Heißdampfdurchschlages gefährlich und daher zu unterlassen!“[2]

Ebenso wichtig zu erwähnen ist auch, dass ein Vernachlässigen der Schutzkleidung ebenso keine Option ist! Nackte Oberkörper gehören an den Badestrand, haben im Einsatz aber nichts verloren.

In der Regel im Vegetationsbrandeinsatz auch nicht erforderlich sind schwere Atemschutzgeräte. Bei Bedarf wird (z.B. wenn durch die Löscharbeiten oder Fahrzeugbewegungen viel Staub oder Asche aufgewirbelt werden) die Nutzung von partikelfiltrierenden Halbmasken empfohlen.

– Wenn immer es die technische Ausstattung und die Lage an der Einsatzstelle mit Blick auf die Kontrollschwellen ermöglicht, sollte im Rahmen der Vegetationsbrandbekämpfung auf leichtere D- und C- Schläuche zurückgegriffen werden. Dies reduziert die körperliche Belastung der eingesetzten Kräfte und bewirkt einen sparsamen effektiveren Einsatz des mitgeführten Löschwassers.

– „Die Pflicht von Feuerwehrführungskräften zur Fürsorge und zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit gegenüber den eingesetzten Einsatzkräften gemäß §3 (3) der

DGUV Vorschrift 49 muss beachtet werden, zum Beispiel durch rechtzeitige Ablösung, ausreichende Pausen, wirksame Hygiene, geeignete Verpflegung (Nahrung und Getränke).“[3]

– „Bei der Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden handelt es sich im Regelfall um einen Einsatz zum Schutz von Sachwerten und einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Umwelt. Bei der Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden ist grundsätzlich die Sicherheit der Einsatzkräfte die höchste Priorität bei der Einsatzplanung einzuräumen.

Konkret bedeutet dies, dass bei allen Maßnahmen die Gefährdung der Einsatzkräfte so gering wie möglich gehalten werden muss.“[4] Hierzu empfiehlt es sich die international gebräuchliche LACES- Regel zu beachten:

L –> lookout –> Einen Beobachter stellen, der den Brand, die eigenen Einsatzkräfte und die weitere Entwicklung des Wetters beobachtet und kommuniziert.

A –> anchoirpoint –> Die Brandbekämpfung sollte an einem (oder je nach Ausdehnung des betroffenen Gebietes auch an mehreren) Ankerpunkten beginnen. Dies sollten nicht brennbare Stellen (Straßen, Wege, Parkplätze, Schotterflächen, …) oder sicher abgelöschte, kalte Brandstellen sein, von wo aus die Brandbekämpfung technisch-taktisch sinnvoll aufgenommen wird.

C –> communication –> Die Kommunikation zwischen allen eingesetzten Trupps, Fahrzeugen und der Einsatzleitung ist extrem wichtig. Die Nutzung von Sprechfunkgeräten ist unerlässlich. Nur so können beispielsweise Wetter- oder Lageänderungen zügig kommuniziert werden.

Für akute Situationen und Notfälle (Verletzungen eigener Kräfte, Auftreten von Spotfeuern) können Signalpfeifen eine sinnvolle Ergänzung sein.

E –> escape route –> Von allen Einsatzabschnitten muss ein erkundeter, brandlastarmer Fluchtweg zu einer Sicherheitszone führen. Dieser Weg muss allen Einsatzkräften im jeweiligen Abschnitt vor Betreten bekannt sein. z.B.: Wind frischt stark auf oder dreht, extremes Brandverhalten – Feuer wird deutlich intensiver, die Flammenlängen nehmen massiv zu oder ein medizinischer Notfall geschieht. Die Einsatzkräfte bündeln sich in der Sicherheitszone, strukturieren sich taktisch neu und nehmen folgend die Brandbekämpfung erneut auf.

S –> safety zone –> „Eine Sicherheitszone ist ein Bereich, in dem die Einsatzkräfte ohne weitere Schutzmaßnahmen vor einem Brand in Sicherheit sind und nicht primär gefährdet sind. Dies können in ausreichender Distanz z.B. freiliegende, befahrbare, ohne Brandlast bestehende Ackerflächen, Parkplätze, Dorfplätze oder Sportplätze sein. Notfalls muss dieser Bereich zusätzlich durch Entfernen von Vegetation geschaffen werden. Die notwendige Größe der Sicherheitszone bemisst sich nach der Anzahl der insgesamt in diesem Einsatzbereich beziehungsweise Abschnitt eingesetzten Einsatz- und Unterstützungskräfte!“[5]

Für Einsatz- und Führungskräfte, welche sich zum Thema Vegetationsbrandbekämpfung weitergehend belesen möchten, empfehlen wir auch unseren Artikel über die „Fortbildung zur Vegetationsbrandbekämpfung für Einsatzkräfte aus Elbe-Elster“ vom 10. Mai 2026. Des Weiteren stellen spezialisierte Organisationen wie beispielsweise @fire zahlreiche Fachempfehlungen auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Abschließend wünschen wir allen Einsatzkräften in den vielen verschiedenen Hilfsorganisationen möglichst wenige Einsätze, wenngleich wir wissen, dass ihr im Notfall für die Bürgerinnen und Bürger bereitsteht. Den Mitbürgern wünschen wir trotz der warmen Temperaturen und sonnigen Tage einen kühlen Kopf. Denken Sie bitte daran ausreichend zu trinken und bleiben Sie, wenn möglich, im Schatten. (RRS/ SZ)


[1] @fire Fachempfehlung „Sicherheit und Taktik im Wald- und Flächenbrandeinsatz“, Abschnitt 2.1.1

[2] @fire Fachempfehlung „Sicherheit und Taktik im Wald- und Flächenbrandeinsatz“, Abschnitt 2.1.1

[3] DFV Empfehlung „Sicherheit und Taktik im Vegetationsbrandeinsatz“, Abschnitt 2.4

[4] DFV Empfehlung „Sicherheit und Taktik im Vegetationsbrandeinsatz“, Abschnitt 1

[5] DFV Empfehlung „Sicherheit und Taktik im Vegetationsbrandeinsatz“, Abschnitt 3.5

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