Fortbildung zur Vegetationsbrandbekämpfung für Einsatzkräfte aus Elbe-Elster

Foto: Kevin Birnbaum (FF Falkenberg)

Doberlug-Kirchhain. Der Kreisfeuerwehrverband Elbe-Elster e.V. (KFV EE) veranstaltete am vergangenen Samstag, den 02.05.2026, in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Elbe-Elster, ein Tagesseminar für Einsatz- und Führungskräfte der Brandschutzeinheit Elbe-Elster zum Thema Vegetationsbrandbekämpfung. Organisiert wurde das Seminar unter anderem durch Mitglieder der Arbeitsgruppe für Spezialisierte Kräfte zur Vegetationsbrandbekämpfung. Als Dozent konnte für diesen Tag der Kamerad Nico Semsch, selbst Leiter der Fachgruppe „Spezialisierte Kräfte Vegetationsbrand NordOst“ aus Zehdenick, Landkreis Oberhavel (SKV NordOst OHV) und Zugführer bei der Freiwilligen Feuerwehr Zehdenick, gewonnen werden.

Dozent Nico Semsch zeigt den Teilnehmern das Foto eines Funkensturms während seines Aufenthaltes in Südafrika. (Foto: Blaulichtreport Elbe-Elster, SZ)

Knapp 80 Kameradinnen und Kameraden waren der Einladung in das Refektorium Doberlug gefolgt und wurden durch den Vorsitzenden des KFV EE, den Landrat Marcel Schmidt sowie weiteren Schlüsselpersonen in kurzen Ansprachen begrüßt.

Der neue Landrat von Elbe-Elster, Marcel Schmidt, während einer kurzen Ansprache an die Einsatzkräfte. (Foto: Blaulichtreport Elbe-Elster, SZ)

Im ersten Abschnitt erörterte Nico Semsch die Grundlagen und vor allem die Relevanz des vorbeugenden Brandschutzes durch die Wald- und Forsteigentümer. Nicht einmal die bestausgerüstete und ausgebildete Feuerwehr kann in einem nicht befahr- oder begehbaren Waldgebiet mit bspw. massiven Totholzansammlungen sowie fehlenden oder nicht erreichbaren Löschwasserentnahmestellen operieren. Die vielerorts in Brandenburg dominierenden Kiefernmonokulturen, welche zumeist zur Wiederaufforstung der Reparationshiebe angelegt wurden, sind leider extrem anfällig für Wärme- und Trockenperioden, erzeugen kaum Humusauflage und halten so kaum Feuchtigkeit im Boden, was damit ersichtlich die Brandgefahr erhöht. Durch diesen Umstand gehört unsere Region in die höchste Vegetationsbrandgefährdungsklasse – A1, gleichzusetzen mit Trockenregionen im Mittelmeerraum.

Um viele Faktoren (beispielsweise der Waldumbau hin zu einem Mischwald, Einrichtung von Löschwasserentnahmestellen, Anlegen von Katastrophenschutzwegen) zu verbessern, fördert der Landesbetrieb Forst solche Maßnahmen, auch im Privatwald. Auskunft hierzu können beispielsweise die Revierförster geben.

Nach einer kurzen Frühstückpause erfolgte nun die Einführung in die Grundlagen der Vegetationsbrandbekämpfung. So ist es unerlässlich, dass alle Kameradinnen und Kameraden, egal ob diese in der direkten bzw. indirekten Brandbekämpfung, in der Löschwasserversorgung oder der Einsatzleitung eingesetzt sind, die gleiche Sprache sprechen und die Begrifflichkeiten kennen sowie einheitlich anwenden. Wichtige Worte wie Feuerfront, Flanke, Rückseite, Finger, Ankerpunkt, Spotfeuer oder die international vereinheitlichte Sicherheitsregel – „LACES“ dienen der einheitlichen und sicheren Kommunikation und somit der Sicherheit aller Einsatzkräfte als auch dem Einsatzerfolg. Genauso wichtig war es dem Dozenten, dass die anwesenden Männer und Frauen die Begriffe Flammenhöhe (wird lotrecht über dem Brandgut gemessen) und Flammenlänge (hiervon leiten sich im Rahmen der Kontrollschwellen die möglichen technisch-taktischen Maßnahmen ab) sauber voneinander unterscheiden können.

Grafik: „Empfehlung zur Ausbildungsinhalten in der Vegetationsbrandbekämpfung“, Seite 10

Abschließend thematisierte Nico Semsch die „30-30-30-Regel“, international als „dirty thirty“ bekannt, zu Deutsch „Die dreckigen 30“. Diese Merkregel benennt drei Faktoren, bei deren Erfüllung die Neigung eines Vegetationsbrandes hin zu extremen Feuerverhalten, womit ein Brand unkontrollierbar und gefährlich für alle Beteiligten wird, am höchsten ist. Diese drei wichtigen Faktoren sind die Windgeschwindigkeit (wenn der Wind schneller als 30 km/h ist, die Lufttemperatur (wenn es wärmer wie 30°C ist) und die relative Luftfeuchtigkeit (wenn diese unter 30% liegt).

Grafik: „Empfehlung zur Ausbildungsinhalten in der Vegetationsbrandbekämpfung“, Seite 16

Nach dem Mittagessen, welches der Feuerwehrverein Doberlug e.V. für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zubereitet hatte, beschäftigte man sich mit dem Wetter, explizit dem Feuer-Wetter. Nicht das sonnige, angenehm warme und leicht windige Wetter draußen vor der Tür, sondern das Wetter, welches Einfluss auf Vegetationsbrände nimmt. Die bereits im Vorfeld besprochene „30-30-30-Regel“ ist auch hier ein zentraler Baustein, doch beeinflussen auch Dinge wie die Tageszeit oder der Einfluss von Hochdruck- bzw. Niederdruckgebieten das Brennverhalten. Insbesondere bei sehr ausgedehnten Bränden kann es dazu kommen, dass große Brände ihr „eigenes Wetter“ erzeugen, indem sie durch ihre Thermik Einfluss auf die Bewegung der Luftmassen und damit auch auf Winde und Niederschläge Einfluss nehmen.

Ein nicht weniger wichtiges, wenn gleich auch leidiges Thema sind Kampfmittel und Altmunitionslasten, welche auf unweit vielen Flächen bzw. in vielen Böden zu finden sind und somit im Sinne der Sicherheit der Einsatzkräfte eine entscheidende Rolle spielen. Generell gilt bei Munitionsfunden ein Gefahrenbereich von 500 Metern Radius, dieser darf von Einsatzkräften nicht betreten oder befahren werden, und ein Absperrbereich von 1000 Metern Radius, dieser darf auch von Zivilpersonen nicht betreten werden. Anhand dieser Dimensionen merkt man schnell, dass eine direkte und vor allem handgeführte Brandbekämpfung in solch einem Fall nicht möglich ist, weshalb hier eher indirekte Maßnahmen (bsw. das Anlegen von trockenen oder nassen Kontrolllinien) zur Anwendung kommen. Für diesen speziellen Fall wurde über das Land Brandenburg spezialisierte Technik beschafft. Dieser Techniksatz basiert zu einem in Form eines sondergeschützten Erkundungs- & Steuerfahrzeugs vom Typ „TRITON“, einem ferngesteuerten unbemannten Kettenfahrzeug zur Bodenmanipulation vom Typ „MV-4“, sowie einem ferngesteuerten unbemannten Räum- und Löschfahrzeug vom Typ „MVF-5“.
Diese dargestellte Fähigkeit, ist bislang in Deutschland einzigartig und ermöglicht neue sichere Optionen der Einsatztaktik. Die Einbindung des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD) der Landespolizei Brandenburg ist dennoch bei solch einer Lage unersetzlich.

Fotos: Ministerium des Innern des Landes Brandenburg

Im Anschluss wurden die technisch-taktischen Maßnahmen anhand der Kontrollschwellen besprochen. Hierbei unterteilt man in mehrere Löschverfahren.

Für den Einsatz ohne die Ressource Wasser kann der taktische Einsatz von Handwerkzeugen wie z.B. Feuerpatschen und Hacken im Verbund angewandt werden. Ebenso ist es auch möglich, das sogenannte „Hotlining“ bei niedriger Kontrollschwelle durchzuführen. Hierbei zieht man mit Hilfe der Hacke die abgrenzende Flammkante aus dem Grünbereich in den Schwarzbereich. Dies kann ideal als kombiniertes Verfahren im Zusammenspiel mit Löschrucksäcken und Feuerpatschen durchgeführt werden.

Quelle: REUTERS/Fred Greaves

Mit Hinblick auf den taktischen Löscheinsatz mittels verlegen von Schläuchen, wurden hierzu mehrere Verfahren vorgestellt. Zu einem das einfache progressive fortlaufende Verfahren. Hierbei wird mittels einem geführtem D-Strahlrohr über die Feuerflanke der Brand vom Feuerrücken her angegriffen und die Schlauchleitung unter Druck mittels Zwischenkuppeln neuer Schläuche fortlaufend verlängert. Dieses Zwischenkuppeln neuer Schläuche kann am wasserabgebenden Löschfahrzeug geschehen oder mittels mitgeführten Schlauchrucksäcken am geführten Strahlrohr.

Eine weitere Schlauchverlegetechnik stellt das modulare Schlauchverlegen dar. Hierzu wird neben dem geführten D-Strahlrohr eine C-Leitung als Hauptstrang installiert, bei welcher aller zwei C-Schläuche ein D-C-D-Verteiler gesetzt wird. Dieser Aufbau erleichtert die späteren Nachlöscharbeiten und ist wassersparender als eine Wassergasse mittels B-Schlauchleitung.

Grafik: „Empfehlung zur Ausbildungsinhalten in der Vegetationsbrandbekämpfung“, Seite 25

Zudem wurde als Schwerpunkt die Objektverteidigung thematisiert. Hierbei geht es darum, direkt bedrohte Siedlungsstrukturen vor einem möglichen Brandübergriff zu schützen. Nico Semsch sprach hier auch direkt an, dass die Eigentümer von Gebäuden eine starke Mitverantwortung für die Fähigkeit zur Verteidigung des Objektes haben. So zeigen die Erfahrungen aus Ländern wie Portugal oder Südafrika, wo in gewisser Regelmäßigkeit die Objektverteidigung praktiziert werden muss, dass Gebäude mit harter Bedachung (z.B. Dachziegel oder Blechdach), gesäuberten, laubfreien Metalldachrinnen und Fallrohren und einem entsprechenden Abstand zu hoher Vegetation (z.B. große Bäume) sowie einem Gürtel aus flacher Vegetation (z.B. Wiese oder Rasen) um das Gebäude selbst, deutlich effektiver zu verteidigen sind wie Objekte mitten im Wald, an denen ggf. noch die Brennholzstapel direkt am Gebäude aufgeschichtet wurden.

Er rief auch die anwesenden Kameradinnen und Kameraden dazu auf, sich mit den eigenen Ortschaften zu beschäftigen, mögliche Gefahrenschwerpunkte zu ermitteln und folgend mit den Eigentümern im Sinne der Vorsorge ins Gespräch zu gehen.

Grafik: „Empfehlung zur Ausbildungsinhalten in der Vegetationsbrandbekämpfung“, Seite 54

Als abschließendes Thema wurde einer der wichtigsten Bausteine einer erfolgreichen Brandbekämpfung besprochen, die Nachlöscharbeiten. Ohne diese besteht die hohe Gefahr, immer wieder aufflammende Glutnester in der Brandfläche zu haben, welche somit eine erneute Brandausbreitung begünstigen. Die Nachlöscharbeiten erfolgen unter Einteilung der Brandfläche in Zonen und Quadranten. Hierbei wird zuerst am Übergang zum Grünen eine Sicherungszone in Form eines Schutzstreifens angelegt. Infolge wird bei einer größeren Fläche das Schachbrettprinzip angewandt.

Grafik: „Empfehlung zur Ausbildungsinhalten in der Vegetationsbrandbekämpfung“, Seite 56

Das Nachlöschen kann einerseits durch das Einbringen von Wasser, idealerweise mit Zugabe von Netzmittel erfolgen, um die Oberflächenspannung zu senken und tiefer in die Bodenschichten einzudringen. Andererseits ist es auch möglich mit Handwerkzeugen die Glutnester freizulegen und dann mit nicht brennbarem Mineralboden zu vermengen. Auf eine saubere Schwarz-Grün-Trennung ist zu achten, d.h. es soll das verbrannte Material vom unverbrannten Material getrennt werden. Ebenso sollte grundsätzlich vorhandene Wärmebildtechnik zur Nachkontrolle genutzt werden, um versteckte Glutnester aufzuspüren.

Abschließend gilt ein großer Dank dem vortragenden Dozenten Nico Semsch für die sehr intensiven und praxisnahen Inhalte, als auch allen mitwirkenden Organisatoren.

(RRS/SZ)

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