Erinnerung an 5 Jahre Ahrtal-Katastrophe

Foto: Blaulichtreport Elbe-Elster (DT)

Ahrtal/ Elbe-Elster. Vor genau fünf Jahren, in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021, änderte sich das Leben unzähliger Menschen von einer Sekunde auf die Andere. Familien verloren ihr Zuhause, ihre Erinnerungen und ihre Existenz. Für 180 Menschen endete das Leben in dieser schicksalhaften Nacht. Deshalb möchten wir heute an die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal erinnern – und an die Menschen, die sie bis heute nicht vergessen können. Auch Einsatzkräfte aus unseren Reihen waren damals tagelang vor Ort, um zu helfen. Und noch immer sind vielerorts die Spuren dieser Katastrophe sichtbar.

Foto: Blaulichtreport Elbe-Elster (SV)

Schon kurz nach der Flut setzte auch in unserem Landkreis eine beeindruckende Welle der Hilfsbereitschaft ein. Privatpersonen und Feuerwehren organisierten Sachspenden aller Art und brachten sie auf den Weg ins Katastrophengebiet. Die Dankbarkeit der Menschen vor Ort war überwältigend. Kaum jemand konnte glauben, dass Hilfe aus einem so weit entfernten Landkreis den Weg bis ins Ahrtal gefunden hatte. Andy Selig, selbst im Katastrophenschutz tätig, sagte damals: „Ein solches Ausmaß an Zerstörung habe ich trotz meiner vielen Einsätze bei der Feuerwehr und im Katastrophenschutz noch nie erlebt. Das Bild, das sich uns vor Ort bot, war schockierend, traurig und unfassbar.“

Schon wenig später begannen die Planungen für ein offizielles Hilfeleistungskontingent aus dem Einsatzgebiet der Leitstelle Lausitz. Am 3. August 2021 wurde das Angebot angenommen. Vom 5. bis zum 16. August 2021 waren schließlich 90 Einsatzkräfte aus 29 Ortswehren des Landkreises Elbe-Elster im Katastrophengebiet im Einsatz. Hinzu kamen die Kameradinnen und Kameraden, die von der Heimat aus die gesamte Organisation und Einsatzplanung sicherstellten. Unterstützt wurden sie zudem von Kräften der DRK-Wasserwacht und einer DRK-Bereitschaft. Die Bereitschaft zu helfen war enorm groß.

Neben den organisatorischen Vorbereitungen musste sich jeder auch innerlich auf diesen Einsatz einstellen. Doch keine Nachrichtensendung, kein Foto und kein Video konnte auf das vorbereiten, was die Einsatzkräfte tatsächlich erwartete. Jens Kauder, Notfallsanitäter im Dienst, brachte seine Eindrücke damals mit wenigen Worten auf den Punkt: „Hier sieht es aus wie in einem Kriegsgebiet. Es fehlen nur noch die Einschusslöcher.“ So drastisch diese Aussage auch klingt – sie beschreibt die Realität, die unsere Einsatzkräfte selbst drei Wochen nach der Flut vorfanden. Wer diese Bilder nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann sich kaum vorstellen, welches Ausmaß die Zerstörung mitten in Deutschland angenommen hatte. Um Ihnen einen Eindruck davon zu vermitteln, haben wir ein Video des THW beigefügt. Es entstand genau zu der Zeit und in dem Einsatzgebiet, in dem auch unsere Helfer im Einsatz waren.

Video: THW (Jan Maluche, Lara und Uwe Kretzschmar, Nadine Kater)
Foto: Blaulichtreport Elbe-Elster (DT)

Schon nach kurzer Zeit genossen unsere Einsatzkräfte im Ahrtal großes Vertrauen und eine außergewöhnliche Wertschätzung. Sie erledigten nicht nur ihre Einsatzaufträge, sondern halfen überall dort, wo Hilfe gebraucht wurde. Oft waren es gerade die kleinen Gesten, die für die Betroffenen den größten Unterschied machten. Ein Beispiel ist ein Hotelbesitzer, der unseren Einsatzkräften sagte, sie seien bereits die vierte Feuerwehr, die sich seine alten Öltanks ansehe. Seine Worte lauteten: „Auch ihr werdet scheitern.“ Für unsere Kameradinnen und Kameraden war das Ansporn genug. Trotz zahlreicher Schwierigkeiten gelang es ihnen schließlich, die Öltanks zu bergen. Als sie dem Hotelbesitzer am Ende des Tages sagen konnten: „Wir rücken ab – die Ölbehälter sind draußen.“, war dessen Erleichterung kaum in Worte zu fassen. Solche Momente zeigten, dass Hilfe weit mehr bedeutet als das Abarbeiten eines Einsatzauftrages.

Die Dankbarkeit der Menschen war überall spürbar. Bei einer Veranstaltung wurde sogar die Brandenburger Hymne „Märkische Heide“ gespielt – als Zeichen des Respekts und der Verbundenheit mit den Helferinnen und Helfern aus Brandenburg. Diese Wertschätzung, die Solidarität und die Zuversicht der Menschen werden unseren Einsatzkräften bis heute in Erinnerung bleiben.

Foto: Blaulichtreport Elbe-Elster (DT)

Doch der Einsatz hielt auch immer wieder dramatische Momente bereit. An einem Morgen begann der Tag zunächst wie jeder andere. Wenig später durchbrachen Martinshorn und Blaulicht des Katastrophenschutz-KTW aus Doberlug-Kirchhain die Stille. Ein Bagger war bei Aufräumarbeiten mit der Fahrerkabine in die Ahr gestürzt. Ein anderer Baggerfahrer reagierte geistesgegenwärtig und hob die Kabine sofort aus dem Wasser. Einsatzkräfte aus Cottbus schlugen ohne zu zögern die Scheibe ein und retteten den Fahrer. Zeitgleich seilte sich ein Notarzt aus einem ADAC-Helikopter ab, um ihn medizinisch zu versorgen. Mit einigen Verletzungen und dem Schock seines Lebens konnte der Mann in ein Krankenhaus gebracht werden. Es war einer der Momente, die allen Beteiligten noch lange im Gedächtnis bleiben sollten.

So unvorstellbar groß das Leid im Ahrtal war, so beeindruckend war auch die Menschlichkeit, die überall spürbar wurde. Menschen halfen Menschen – ohne zu fragen, woher sie kamen oder wer sie waren. Ein Sinnbild dafür war Franz-Josef Graf, der vielen als „Trompeter vom Ahrtal“ in Erinnerung geblieben ist. Der Hobbymusiker aus Bayern fuhr Tag für Tag von Ort zu Ort. Er hielt an besonders bewegenden Plätzen an und spielte Trompete. Für wenige Minuten verstummten Motorsägen, Bagger und Aggregate. Die Menschen legten ihre Arbeit nieder, hielten inne und lauschten den Melodien. Viele kämpften mit den Tränen – manche vergeblich.

Video: Blaulichtreport Elbe-Elster (DT)

Auch fünf Jahre später bleiben die Erinnerungen an diese Katastrophe lebendig. Sie erinnern uns daran, wie zerbrechlich das Leben sein kann, aber auch daran, wie stark Zusammenhalt, Mitgefühl und ehrenamtliches Engagement unsere Gesellschaft machen. Unsere Gedanken sind heute bei allen Menschen, die Angehörige verloren haben, bis heute mit den Folgen der Flut leben oder damals selbst unermüdlich geholfen haben.

Vergessen werden wir das Ahrtal niemals.
Unsere Gedanken sind heute bei allen Betroffenen, ihren Familien und bei allen Helferinnen und Helfern, die damals über sich hinausgewachsen sind. (DT)

Verwendung von Cookies und externer Medien

Auf unseren Webseiten werden externe Medien von Drittanbietern eingebunden. Mit Ihrer Bestätigung werden diese dargestellt und Sie stimmen den Datenaustausch mit Drittanbietern zu. Außerdem verwenden wir technisch notwendige Cookies zum Speichern von Login-Daten und Ihrer Einstellung zum Einbinden externer Medien. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Live